Negative Strompreise
Negative Preise sind kein Betriebsunfall des Marktes, sondern sein Signal: Es ist zu viel Strom da. Für ungesteuerte Erzeugungsanlagen sind sie inzwischen einer der größten Erlösverluste — und der am leichtesten vermeidbare.
Wie sie entstehen
An der Strombörse treffen Angebot und Nachfrage viertelstündlich aufeinander. Wenn die Einspeisung aus Wind und Sonne die Nachfrage übersteigt und konventionelle Anlagen nicht schnell genug herunterfahren können, muss der Preis so weit fallen, bis jemand bereit ist, den Strom zu nehmen. Unter null zahlt der Erzeuger dafür, dass er einspeist.
2025 war der Rekord: 573 Stunden mit negativem Preis, nach 457 Stunden 2024 und 301 Stunden 2023.
Warum es ausgerechnet Photovoltaik trifft
Negative Preise liegen fast immer im Mittagsfenster sonnenreicher Tage — also genau dann, wenn Ihre Anlage am meisten produziert. Wer im Jahresmittel wenige Prozent der Stunden betroffen ist, verliert überproportional viel Menge: Bei einer von uns nachgerechneten Freiflächenanlage mit 708 kWp lagen 23 Prozent der erzeugten Menge in Negativstunden und 7,9 Prozent des Spoterlöses gingen dadurch verloren.
Was das Gesetz geändert hat
Für Neuanlagen, die nach dem Solarspitzengesetz vom Februar 2025 in Betrieb gehen, entfällt der Zahlungsanspruch aus der Marktprämie in Viertelstunden mit negativem Preis. Der Markt hat damit die Anreize scharfgestellt: Wer nicht reagiert, verliert. Für ausgeförderte Anlagen ohne Zahlungsanspruch gilt das ohnehin — dort war es nie anders.
Die zwei Antworten
- Abregeln. Die negativen Viertelstunden stehen am Vortag fest. Wer die Anlage in genau diesen Viertelstunden abregelt, vermeidet den Verlust vollständig. Das setzt eine fernsteuerbare Leistungsreduzierung und einen Direktvermarkter voraus, der sie auch nutzt.
- Speichern. Wer einen Speicher hat, muss nicht abregeln, sondern lädt — und verkauft dieselbe Menge später zu einem positiven Preis. Aus einem vermiedenen Verlust wird ein Gewinn.
Ertragswerk — Negative Preise führen bei uns automatisiert zu Speicherladung oder Abschaltung. Das ist ein Regelvorgang, kein Sonderfall.